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8.2.22

Nicht so gemeint? Schöpfung und Weltentstehung

Georg Fischer schreibt in seinem großen (und großartigen) Kommentar zur biblischen Urgeschichte in Genesis 1-11 (in der Reihe Herders Biblischer Kommentar zum Alten Testament):

Die Schöpfungserzählung in Genesis 1 "präsentiert eine religiöse, spezifisch monotheistische Sicht des Universums". Sie "will und kann keine präzisen Detailangaben über seine faktische Entstehung machen." (Seite 169-170)

Wenn man die Geschichte unbefangen liest, hat man aber doch den starken Eindruck, dass sie - zumindest in den Grundzügen, aber z.B. mit recht genauen Zeitangaben - erzählen will, wie die Welt entstanden ist, nämlich durch verschiedene Schöpfungsakte eines Gottes.

Diese Sicht des Universums und seiner Entstehung erscheint heute, 2500 Jahre später, auch gläubigen Juden, Christen und Muslimen fragwürdig. Wahrscheinlich ist sie falsch. Aber sie bleibt natürlich eindrucksvoll und schön und inspirierend.

23.6.16

Wie es wirklich war

Im Anfang schuf Gott erst mal gar nichts. «Dafür ist auch morgen noch Zeit», sprach er und strich sich zufrieden über den Bart.

Am zweiten Tag sprach Gott: «Ach, es sind ja noch fünf Tage übrig», und sank wieder in die Kissen.

Am dritten Tag wollte Gott schon anfangen, das Licht von der Finsternis zu scheiden, aber kaum hatte er sich auch nur einen Kaffee gekocht, war der Tag irgendwie schon vorbei.

Am vierten Tag dachte Gott ernsthaft darüber nach, jemand anderen die ganze mühsame Schöpfungsarbeit machen zu lassen. Aber es war ja noch niemand da.

Am fünften Tag hatte Gott andere Dinge zu erledigen, die viel dringender waren.

Am sechsten Tag überlegte Gott, ob es wohl möglich war, sich irgendwie aus der Affäre zu ziehen. Es fiel ihm aber nichts Rechtes ein. Schließlich war er allmächtig, was die meisten Ausreden ein bisschen unglaubhaft wirken lässt.

Am Sonntag um fünf vor zwölf schließlich schluderte Gott hastig irgendwas hin: Wasser, Erde, Tag, Nacht, Tiere, Zeugs. Dann betrachtete er sein Werk und sah, dass es so lala war. «Aber für nur fünf Minuten», sagte er, «gar nicht so schlecht!»


Aus: Kathrin Passig & Sascha Lobo, Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin, Berlin: Rowohlt, 2008, 7f.

21.5.12

Die Welt als Schöpfung sehen


Die Welt als Schöpfung zu verstehen, heißt nicht unbedingt, der Ansicht zu sein, dass alles, was es gibt, so, wie es ist, von Gott bzw. den Göttern gewollt ist und geschaffen wurde. Es gibt z.B. Schöpfungsvorstellungen, nach denen die Welt aus Urstoffen geschaffen wurde, die der Gestaltungsfreiheit des Schöpfers gewisse Grenzen setzten, oder nach denen die Welt durch die Bändigung chaotischer Urmächte geschaffen wurde, die der Schöpfergott besiegt und unschädlich gemacht, aber nicht völlig vernichtet hat.