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29.10.16

"Opfere deinen Sohn!"? (Genesis 22)

1 Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. 2 Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde.3 Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte...

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Immanuel Kant:

"Dass es nicht Gott sein könne, dessen Stimme der Mensch zu hören glaubt, davon kann man sich wohl in einigen Fällen überzeugen; denn wenn das, was dem Menschen durch diese Stimme geboten wird, dem moralischen Gesetz zuwider ist, so mag die Erscheinung dem Menschen noch so majestätisch und die Natur überschreitend dünken; er muss sie doch für eine Täuschung halten."

"Abraham wollte auf göttlichen Befehl seinen einzigen Sohn abschlachten. (Das arme Kind trug unwissend noch das Holz hinzu.) Abraham hätte auf diese vermeintliche göttliche Stimme sagen müssen: Dass ich meinen guten Sohn nicht töten sollte, ist ganz gewiss; dass aber du, der du mir erscheinst, Gott seist, davon bin ich nicht überzeugt und kann es auch nicht werden, sogar wenn die Stimme vom sichtbaren Himmel herabschallen würde."


Woody Allen:

"And Abraham awoke in the middle of the night and said to his only son, Isaac, "I have had a dream where the voice of the Lord sayeth that I must sacrifice my only son, so put your pants on."

And Isaac trembled and said, "So what did you say? I mean when He brought this whole thing up?"

"What am I going to say?" Abraham said. "I'm standing there at two A.M. I'm in my underwear with the Creator of the Universe. Should I argue?"

"Well, did he say why he wants me sacrificed?" Isaac asked his father.

But Abraham said, "The faithful do not question. Now let's go because I have a heavy day tomorrow."

And Sarah who heard Abraham's plan grew vexed and said, "How doth thou know it was the Lord and not, say, thy friend who loveth practical jokes, for the Lord hateth practical jokes and whosoever shall pull one shall be delivered into the hands of his enemies whether they pay the delivery charge or not."

And Abraham answered, "Because I know it was the Lord. It was a deep, resonant voice, well modulated, and nobody in the desert can get a rumble in it like that."

And Sarah said, "And thou art willing to carry out this senseless act?" But Abraham told her, "Frankly yes, for to question the Lord's word is one of the worst things a person can do, particularly with the economy in the state it's in."

And so he took Isaac to a certain place and prepared to sacrifice him but at the last minute the Lord stayed Abraham's hand and said, "How could thou doest such a thing?"

And Abraham said, "But thou said ---"

"Never mind what I said," the Lord spake. "Doth thou listen to every crazy idea that comes thy way?" And Abraham grew ashamed. "Er - not really … no."

"I jokingly suggest thou sacrifice Isaac and thou immediately runs out to do it."

And Abraham fell to his knees, "See, I never know when you're kidding."

And the Lord thundered, "No sense of humor. I can't believe it."

"But doth this not prove I love thee, that I was willing to donate mine only son on thy whim?"

And the Lord said, "It proves that some men will follow any order no matter how asinine as long as it comes from a resonant, well-modulated voice."

And with that, the Lord bid Abraham get some rest and check with him tomorrow."


Gott (Jeremia 7,30f):

"Die Judäer haben getan, was mir missfällt, spricht der HERR. Sie haben ihre Gräuelbilder gesetzt in das Haus, das nach meinem Namen genannt ist, um es unrein zu machen, und haben die Höhen des Tofet im Tal Ben-Hinnom gebaut, um ihre Söhne und Töchter zu verbrennen, was ich nie geboten habe und mir nie in den Sinn gekommen ist."

17.7.14

Kann Glauben Berge versetzen?

http://www.frutiger.com/images/content/kompetenzen/strassenbau/strassenbau_erdarbeiten_2.jpg

Jesus soll zu seinen Jüngern gesagt haben:

"Habt Glauben an Gott! Amen, ich sage euch: Wer zu diesem Berg sagt: Hebe dich hinweg und wirf dich ins Meer!, und in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass geschieht, was er sagt, dem wird es zuteil werden. Darum sage ich euch: Alles, worum ihr betet und bittet, glaubt nur, dass ihr es empfangt, so wird es euch zuteil werden." (Markus 11, Zürcher Bibel)

Stimmt das wirklich?

Vielleicht hat Jesus ein wenig übertrieben, um seinen Jüngern deutlich zu machen, dass sie oft mehr erreichen könnten als sie meinen - wenn sie nur etwas mehr Gottvertrauen hätten.

Vielleicht wollte er sie aber auch dazu bringen, nur solche Ziele zu verfolgen, bei denen sie auch darauf vertrauen können, dass Gott sie unterstützt:

Bevor Du dich daran machst, Berge zu versetzen, frage Dich, ob das im Sinne Gottes ist. Wenn ja, kannst Du es mit seiner Hilfe schaffen. Wenn nein, solltest Du ihn nicht darum bitten. 

25.6.13

Glauben als Vertrauen oder Für-Wahr-Halten

Wenn wir heute jemanden fragen: “Glaubst du an Gott?” meinen wir damit gewöhnlich: “Glaubst du, dass es einen Gott gibt?” Dass es einen Gott (oder mehrere Götter) gibt, war in der Antike (zur Zeit, als das Neue Testament geschrieben wurde) weithin selbstverständlich. Die Frage war, wie der Gott (bzw. die Götter) sich zur Welt und den Menschen verhalten. 

31.3.12

Glaubensüberzeugungen - zwischen Starrsinn und Opportunismus

Nach den Evangelien hat Jesus sein Wirken begonnen mit dem Aufruf an die Menschen, ihr Leben zu ändern, umzudenken, sich neu zu orientieren: "Kehrt um und glaube an das Evangelium" (die gute Nachricht, dass das Reich Gottes nahe gekommen ist)! (Markus 1,15) Kehrt um, μετανοεῖτε, ändert euren Sinn, euer Denken, die Ausrichtung eures Lebens!

Zwei Generationen später fordert der zweite Timotheusbrief (3,14) seinen Empfänger Timotheus und indirekt alle seine Leserinnen und Leser dazu auf, sich nicht von seinem Glauben abbringen zu lassen: μένε ἐν οἷς ἔμαθες καὶ ἐπιστώθης, "bleibe bei dem, was du gelernt und voller Vertrauen angenommen hast" (Zürcher Bibel) - man könnte das zweite Verb auch übersetzen: "und wovon du dich hast überzeugen lassen" oder "was dich überzeugt hat". Es geht nicht um den blinden Glauben an eine überlieferte Lehre, sondern um die Treue zu Überzeugungen, die man in einem Lern- und Erfahrungsprozess gewonnen hat.