29.7.12

psalm 1


wohl dem der nicht wandelt im rat der gottlosen
noch tritt auf den weg der sünder
noch sitzt wo die spötter sitzen
sondern hat lust am gesetz des herrn
und sinnt über seinem gesetz tag und nacht
der ist wie ein baum gepflanzt an den wasserbächen
der seine frucht bringt zu seiner zeit
und seine blätter verwelken nicht
und was er macht das gerät wohl
aber so sind die gottlosen nicht
sondern wie spreu die der wind verstreut
darum bestehen die gottlosen nicht im gericht
noch die sünder in der gemeinde der gerechten
denn der herr kennt den weg der gerechten
aber der gottlosen weg vergeht

16.7.12

Jesus Christus


Jesus Christus wird heute wohl von den meisten Menschen als ein (Doppel-) Name verstanden. Eigentlich ist aber nur Jesus ein Name (hebräisch Jeschua, eine Kurzform von Jehoschua/Josua, Bedeutung: Jahwe ist Rettung), Christus hingegen ein Titel (griechisch christos = der Gesalbte = hebräisch maschiach/Messias). Jesus Christus bedeutete also ursprünglich Jesus, der Messias, oder der Messias Jesus (im Neuen Testament findet sich dementsprechend auch öfters diese Wortstellung: Christus Jesus).

9.7.12

Ergriffen sein von Jesus Christus

Christ sein heißt, von Jesus Christus ergriffen sein.

Wie kann Jesus Christus Menschen ergreifen?

Indem das, was er gelehrt und getan hat, Menschen zu denken gibt, sie zu einem besseren Verständnis ihres Lebens führt, ihnen Mut zum Leben macht, sie dazu inspiriert, neue Wege zu suchen, die Welt gerechter, liebevoller und lebenswerter zu machen ...

24.6.12

Konzentration auf das Wesentliche

Rabbi Jehuda ben Samuel ha-Chassid (Juda der Fromme, lebte um 1200 in Regensburg) schreibt in seinem „Buch der Frommen“ (Sefer ha-Cassidim):

(Auch) im gelehrten Gespräche der Thoraforschung rede man wenig, aber desto reicher sei der Inhalt der Worte, wie unsere Weisen sagen: „Stets befleissige man sich einer kurzen Lehrweise!“ (Pesachim 3b) Aber viel Worte machen mit wenig Inhalt, das ist Torheit, denn so heisst es: „Die Stimme des Toren macht viele Worte.“ (Kohelet 5,2) „Eine Schutzmauer für die Weisheit ist das Schweigen“ (Pirke Aboth 3,17); darum übereile man sich nicht mit seiner Antwort und spreche nicht zuviel und belehre seine Schüler mit Sanftmut und Ruhe und schreie nicht mit ihnen und langweile sie nicht durch weitschweifige Belehrung, denn „die Worte der Weisen werden gehört, wenn sie in Ruhe gesprochen werden.“ (Kohelet 9,16)

Zitiert nach: A. Sulzbach, Bilder aus der jüdischen Vergangenheit, Frankfurt am Main: Verlag von J. Kauffmann, 1914

Bescheidenheit

Rabbi Jehuda ben Samuel ha-Chassid (Juda der Fromme, lebte um 1200 in Regensburg) schreibt in seinem „Buch der Frommen“ (Sefer ha-Cassidim):

§15. BESCHEIDENHEIT. Suche Würde und Ehre zu meiden. Wie ist das zu verstehen? Sitzt einer vor seinem Lehrer, und es fällt ihm eine scharfsinnige Frage, die er früher einmal gestellt oder eine treffende Antwort ein, durch die er einmal eine schwierige Frage gelöst hat, so sage er nicht zu seinem Lehrer oder Mithörer: „Ich habe einmal dieses gefragt, ich habe einmal dieses geantwortet,“ sondern er schiebe diese Frage oder Antwort seinem Kollegen oder Lehrer zu, überlasse diesem die Ehre und nehme sie nicht für sich in Anspruch und versage sich den inneren Genuss an einer etwaigen Ehrung oder Belobigung, damit er nicht eitel und eingebildet werde. So finden wir auch, dass Moses zu Josua gesagt hat: „Erwähle uns Männer“, (2. Buch Mose 17,9. Vgl. Midrasch Jalkut z. St.) was auch R. Gamaliel veranlasste, die Festsetzung des Neumonds, die ihm allein zustand, auch als im Namen seiner Kollegen vollzogen zu erklären. So hat auch Gott zu Jesaias (6,8) gesprochen: „Wen soll ich schicken, und wer wird für uns gehen?“

5.6.12

Gott als Großer Bruder?



"Big Brother is watching you! Der Große Bruder sieht dich!" Dieser Satz verkörpert in George Orwells Roman 1984 den Anspruch eines totalen Überwachungsstaates, der dem einzelnen Menschen keierlei Platz für Privates oder Intimes lässt. "Gott sieht alles!" Mit diesem Satz sollten und sollen bisweilen Kinder davon abgehalten werden, heimlich Dinge zu tun, die sie nach Auffassung ihrer Erzieher nicht tun sollen. Sieht Gott alles? Und wenn ja: Was bedeutet das für das Leben der Menschen? 

29.5.12

"Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret!"?


Gott sei uns gnädig und segne uns,
er lasse uns sein Antlitz leuchten,
dass man auf Erden erkenne seinen Weg,
unter allen Heiden sein Heil.
Es danken dir, Gott, die Völker,
es danken dir alle Völker.
Die Völker freuen sich und jauchzen,
dass du die Menschen recht richtest
und regierst die Völker auf Erden.
Es danken dir, Gott, die Völker,
es danken dir alle Völker.
Das Land gibt sein Gewächs;
es segne uns Gott, unser Gott!
Es segne uns Gott,
und alle Welt fürchte ihn.
(Psalm 67 nach der Lutherbibel 1984)

21.5.12

Die Welt als Schöpfung sehen


Die Welt als Schöpfung zu verstehen, heißt nicht unbedingt, der Ansicht zu sein, dass alles, was es gibt, so, wie es ist, von Gott bzw. den Göttern gewollt ist und geschaffen wurde. Es gibt z.B. Schöpfungsvorstellungen, nach denen die Welt aus Urstoffen geschaffen wurde, die der Gestaltungsfreiheit des Schöpfers gewisse Grenzen setzten, oder nach denen die Welt durch die Bändigung chaotischer Urmächte geschaffen wurde, die der Schöpfergott besiegt und unschädlich gemacht, aber nicht völlig vernichtet hat.

8.5.12

Ein Gott, über dem nichts Größeres gedacht werden kann




Anselm von Canterbury (ca. 1033-1109) hat in seinem lateinisch geschriebenen Werk "Proslogion" (Anrede) einen sogenannten "ontologischen Gottesbeweis" vorgelegt. Anselm meint, dass man gar nicht denken kann, dass es Gott nicht gibt, ohne in einen Selbstwiderspruch zu geraten - zumindest wenn es um den christlichen Gott geht (aber dasselbe würde wohl auch für den jüdischen oder den muslimischen Gott gelten). Christen glauben nämlich - so Anselm - dass Gott etwas ist, über dem nichts Größeres gedacht werden kann ("credimus te esse aliquid quo nihil maius cogitari possit"). Ein Gott, der existiert, ist nun aber nach Anselms Ansicht auf jeden Fall größer als ein Gott, der nicht existiert. Demnach wäre ein nicht-existierender Gott gar nicht wirklich Gott, weil man ja über ihm etwas Größeres denken kann, nämlich einen existierenden Gott. Also kann man, wenn man nicht in einen Selbstwiderspruch geraten will, Gott nur als existierend denken. Also muss Gott existieren.

4.5.12

Gott und die Synapsen

In einem Interview in der "Zeit" vom 3.5.2012 sagt die Physikerin Lisa Randall:

Solange Religion Privatsache ist, etwas Persönliches, kommt sie nicht mit der Wissenschaft in Konflikt. Wenn sie aber behauptet, dass Gott oder eine übernatürliche Kraft in die Welt eingreift, dann fordert sie die Wissenschaft heraus, weil die Wissenschaft sagt, dass alles in der Welt nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung geschieht. Wenn jemand behauptet, er habe diese oder jene Entscheidung getroffen, weil Gott ihn geleitet habe - dann riskiert er meinen Widerspruch. Denn ich sage, dass jede Wirkung eine Ursache haben muss und allem eine physikalische Struktur zugrunde liegt. Wenn etwa keine Synapsen in unserem Gehirn feuern würden, dann könnten wir keine moralischen Entscheidungen treffen. Wer wirklich glaubt, dass Gott bei diesen Entscheidungen mitspielt, muss erklären, wie Gott das Feuern der Synapsen beeinflusst.

Darauf entgegnen die Interviewer (Tobias Hürter und Max Rauner):

Die Vorstellung, dass Gott aktiv in den Weltenlauf eingreift, haben die Europäer doch schon im 18. Jahrhundert aufgegeben. Seither gilt eine Arbeitsteilung: Die Religion sagt, was gut und böse ist. Die Wissenschaft untersucht, wie die Welt funktioniert.