6.8.12
Moral Enhancement
Im Magazin Philosophy Now (July/August 2012) plädieren die Philosophieprofessoren Julian Savulescu (Oxford) und Ingmar Persson (Gothenburg) dafür, die Möglichkeiten einer moralischen Verbesserung der Menschen durch biomedizinische Mittel zu erforschen. (Vgl. ihr Buch Unfit for the Future: The Urgent Need for Moral Enhancement, Oxford University Press, 2012.) Begründung: Die Moralität der meisten Menschen sei den Problemen unserer Zeit - Savulescu und Persson nennen vor allem die durch Menschen bewirkte Klimaveränderung und die drohende Auslöschung allen Lebens auf der Erde durch Massenvernichtungswaffen - nicht gewachsen. Die meisten Menschen fühlen sich nur für ihre räumlich und zeitlich engere Umgebung moralisch verantwortlich. Nur wenige spüren eine persönliche Verantwortung für die globale Lage aller Lebewesen auf der Erde in ferner Zukunft - obwohl ihr Handeln de facto darauf Einfluss hat. Die traditionellen Mittel, diese Situation zu verbessern, moralische Erziehung und soziale Reformen, haben sich nach Meinung der Autoren als nur begrenzt tauglich erwiesen. In Anbetracht der Nähe und der Größe der Gefahr sollte man deshalb von allfälligen Möglichkeiten, die Menschen z.B. durch genetische Eingriffe oder pharmazeutische Behandlung moralisch zu verbessern, Gebrauch machen - mindestens aber über den Einsatz solcher Mittel nachdenken und ihn nicht von vornherein ablehnen.
5.8.12
Unfreiwillige Liebe
Stellen Sie sich vor, Sie hätten sich unsterblich in einen Menschen verliebt, der/die Ihre Liebe nicht erwidert. Nun erfahren Sie, dass es ein neues Medikament gibt, das bewirkt, dass ein Mensch Liebe für einen bestimmten anderen Menschen empfindet. Die Wirkung dieses Medikaments ist unbegrenzt. Es muss nur ein einziges Mal verabreicht werden. Sie erhalten die Möglichkeit, der von Ihnen geliebten Person dieses Medikament zu verabreichen? Werden Sie das tun? Wollen sie das? Dürfen Sie das?
3.8.12
Verstehen und Zustimmen
In der Literatur zur christlich-theologischen Bibelauslegung begegnet man immer wieder der Behauptung, man habe einen biblischen Text erst richtig verstanden, wenn man seine Wahrheit eingesehen habe. Oft wird diese Forderung noch verschärft: Man könne einen biblischen Text überhaupt nur verstehen, wenn man an ihn mit der Überzeugung (bzw. dem Vertrauen) herangehe, dass er die Wahrheit sagt. Sonst werde man dem Wahrheitsanspruch der Bibel nicht gerecht.
29.7.12
psalm 2
warum toben die heiden
und murren die völker so vergeblich
die könige der erde lehnen sich auf
und die herren halten rat miteinander
wider den herrn und seinen gesalbten
lasset uns zerreißen ihre bande
und von uns werfen ihre stricke
aber der im himmel wohnt lachet ihrer
und der herr spottet ihrer
einst wird er mit ihnen reden in seinem zorn
und mit seinem grimm wird er sie erschrecken
ich aber habe meinen könig eingesetzt
auf meinem heiligen berg zion
kundtun will ich den ratschluss des herrn
er hat zu mir gesagt du bist mein sohn
heute habe ich dich gezeugt
bitte mich so will ich dir völker zum erbe geben
und der welt enden zum eigentum
du sollst sie mit einem eisernen zepter zerschlagen
wie töpfe sollst du sie zerschmeißen
so seid nun verständig ihr könige
und lasst euch warnen ihr richter auf erden
dienet dem herrn mit furcht
und küsst seine füße mit zittern
dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem wege
denn sein zorn wird bald entbrennen
wohl allen die auf ihn trauen
und murren die völker so vergeblich
die könige der erde lehnen sich auf
und die herren halten rat miteinander
wider den herrn und seinen gesalbten
lasset uns zerreißen ihre bande
und von uns werfen ihre stricke
aber der im himmel wohnt lachet ihrer
und der herr spottet ihrer
einst wird er mit ihnen reden in seinem zorn
und mit seinem grimm wird er sie erschrecken
ich aber habe meinen könig eingesetzt
auf meinem heiligen berg zion
kundtun will ich den ratschluss des herrn
er hat zu mir gesagt du bist mein sohn
heute habe ich dich gezeugt
bitte mich so will ich dir völker zum erbe geben
und der welt enden zum eigentum
du sollst sie mit einem eisernen zepter zerschlagen
wie töpfe sollst du sie zerschmeißen
so seid nun verständig ihr könige
und lasst euch warnen ihr richter auf erden
dienet dem herrn mit furcht
und küsst seine füße mit zittern
dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem wege
denn sein zorn wird bald entbrennen
wohl allen die auf ihn trauen
psalm 1
wohl dem der nicht wandelt im rat der gottlosen
noch tritt auf den weg der sünder
noch sitzt wo die spötter sitzen
sondern hat lust am gesetz des herrn
und sinnt über seinem gesetz tag und nacht
der ist wie ein baum gepflanzt an den wasserbächen
der seine frucht bringt zu seiner zeit
und seine blätter verwelken nicht
und was er macht das gerät wohl
aber so sind die gottlosen nicht
sondern wie spreu die der wind verstreut
darum bestehen die gottlosen nicht im gericht
noch die sünder in der gemeinde der gerechten
denn der herr kennt den weg der gerechten
aber der gottlosen weg vergeht
16.7.12
Jesus Christus
Jesus Christus wird heute wohl von den meisten Menschen als ein (Doppel-) Name verstanden. Eigentlich ist aber nur Jesus ein Name (hebräisch Jeschua, eine Kurzform von Jehoschua/Josua, Bedeutung: Jahwe ist Rettung), Christus hingegen ein Titel (griechisch christos = der Gesalbte = hebräisch maschiach/Messias). Jesus Christus bedeutete also ursprünglich Jesus, der Messias, oder der Messias Jesus (im Neuen Testament findet sich dementsprechend auch öfters diese Wortstellung: Christus Jesus).
9.7.12
Ergriffen sein von Jesus Christus
Christ sein heißt, von Jesus Christus ergriffen sein.
Wie kann Jesus Christus Menschen ergreifen?
Indem das, was er gelehrt und getan hat, Menschen zu denken gibt, sie zu einem besseren Verständnis ihres Lebens führt, ihnen Mut zum Leben macht, sie dazu inspiriert, neue Wege zu suchen, die Welt gerechter, liebevoller und lebenswerter zu machen ...
Wie kann Jesus Christus Menschen ergreifen?
Indem das, was er gelehrt und getan hat, Menschen zu denken gibt, sie zu einem besseren Verständnis ihres Lebens führt, ihnen Mut zum Leben macht, sie dazu inspiriert, neue Wege zu suchen, die Welt gerechter, liebevoller und lebenswerter zu machen ...
24.6.12
Konzentration auf das Wesentliche
Rabbi Jehuda ben Samuel ha-Chassid (Juda der Fromme, lebte um 1200 in Regensburg) schreibt in seinem „Buch der Frommen“ (Sefer ha-Cassidim):
(Auch) im gelehrten Gespräche der Thoraforschung rede man wenig, aber desto reicher sei der Inhalt der Worte, wie unsere Weisen sagen: „Stets befleissige man sich einer kurzen Lehrweise!“ (Pesachim 3b) Aber viel Worte machen mit wenig Inhalt, das ist Torheit, denn so heisst es: „Die Stimme des Toren macht viele Worte.“ (Kohelet 5,2) „Eine Schutzmauer für die Weisheit ist das Schweigen“ (Pirke Aboth 3,17); darum übereile man sich nicht mit seiner Antwort und spreche nicht zuviel und belehre seine Schüler mit Sanftmut und Ruhe und schreie nicht mit ihnen und langweile sie nicht durch weitschweifige Belehrung, denn „die Worte der Weisen werden gehört, wenn sie in Ruhe gesprochen werden.“ (Kohelet 9,16)
Zitiert nach: A. Sulzbach, Bilder aus der jüdischen Vergangenheit, Frankfurt am Main: Verlag von J. Kauffmann, 1914
(Auch) im gelehrten Gespräche der Thoraforschung rede man wenig, aber desto reicher sei der Inhalt der Worte, wie unsere Weisen sagen: „Stets befleissige man sich einer kurzen Lehrweise!“ (Pesachim 3b) Aber viel Worte machen mit wenig Inhalt, das ist Torheit, denn so heisst es: „Die Stimme des Toren macht viele Worte.“ (Kohelet 5,2) „Eine Schutzmauer für die Weisheit ist das Schweigen“ (Pirke Aboth 3,17); darum übereile man sich nicht mit seiner Antwort und spreche nicht zuviel und belehre seine Schüler mit Sanftmut und Ruhe und schreie nicht mit ihnen und langweile sie nicht durch weitschweifige Belehrung, denn „die Worte der Weisen werden gehört, wenn sie in Ruhe gesprochen werden.“ (Kohelet 9,16)
Zitiert nach: A. Sulzbach, Bilder aus der jüdischen Vergangenheit, Frankfurt am Main: Verlag von J. Kauffmann, 1914
Bescheidenheit
Rabbi Jehuda ben Samuel ha-Chassid (Juda der Fromme, lebte um 1200 in Regensburg) schreibt in seinem „Buch der Frommen“ (Sefer ha-Cassidim):
§15. BESCHEIDENHEIT. Suche Würde und Ehre zu meiden. Wie ist das zu verstehen? Sitzt einer vor seinem Lehrer, und es fällt ihm eine scharfsinnige Frage, die er früher einmal gestellt oder eine treffende Antwort ein, durch die er einmal eine schwierige Frage gelöst hat, so sage er nicht zu seinem Lehrer oder Mithörer: „Ich habe einmal dieses gefragt, ich habe einmal dieses geantwortet,“ sondern er schiebe diese Frage oder Antwort seinem Kollegen oder Lehrer zu, überlasse diesem die Ehre und nehme sie nicht für sich in Anspruch und versage sich den inneren Genuss an einer etwaigen Ehrung oder Belobigung, damit er nicht eitel und eingebildet werde. So finden wir auch, dass Moses zu Josua gesagt hat: „Erwähle uns Männer“, (2. Buch Mose 17,9. Vgl. Midrasch Jalkut z. St.) was auch R. Gamaliel veranlasste, die Festsetzung des Neumonds, die ihm allein zustand, auch als im Namen seiner Kollegen vollzogen zu erklären. So hat auch Gott zu Jesaias (6,8) gesprochen: „Wen soll ich schicken, und wer wird für uns gehen?“
§15. BESCHEIDENHEIT. Suche Würde und Ehre zu meiden. Wie ist das zu verstehen? Sitzt einer vor seinem Lehrer, und es fällt ihm eine scharfsinnige Frage, die er früher einmal gestellt oder eine treffende Antwort ein, durch die er einmal eine schwierige Frage gelöst hat, so sage er nicht zu seinem Lehrer oder Mithörer: „Ich habe einmal dieses gefragt, ich habe einmal dieses geantwortet,“ sondern er schiebe diese Frage oder Antwort seinem Kollegen oder Lehrer zu, überlasse diesem die Ehre und nehme sie nicht für sich in Anspruch und versage sich den inneren Genuss an einer etwaigen Ehrung oder Belobigung, damit er nicht eitel und eingebildet werde. So finden wir auch, dass Moses zu Josua gesagt hat: „Erwähle uns Männer“, (2. Buch Mose 17,9. Vgl. Midrasch Jalkut z. St.) was auch R. Gamaliel veranlasste, die Festsetzung des Neumonds, die ihm allein zustand, auch als im Namen seiner Kollegen vollzogen zu erklären. So hat auch Gott zu Jesaias (6,8) gesprochen: „Wen soll ich schicken, und wer wird für uns gehen?“
5.6.12
Gott als Großer Bruder?
"Big Brother is watching you! Der Große Bruder sieht
dich!" Dieser Satz verkörpert in George Orwells Roman 1984 den Anspruch
eines totalen Überwachungsstaates, der dem einzelnen Menschen keierlei Platz
für Privates oder Intimes lässt. "Gott sieht alles!" Mit diesem Satz
sollten und sollen bisweilen Kinder davon abgehalten werden, heimlich Dinge zu
tun, die sie nach Auffassung ihrer Erzieher nicht tun sollen. Sieht Gott alles?
Und wenn ja: Was bedeutet das für das Leben der Menschen?
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